Locarno Film Festival 2026: Schweizer Kirchen vergeben 10‘000 Franken an Filme, die sich für Gerechtigkeit einsetzen

Die Ökumenische Jury der katholischen und reformierten Kirchen am 79. Locarno Film Festival steht fest. Viera Pirker aus Deutschland übernimmt das Präsidium. Ihr zur Seite stehen Jean-Luc Gadreau aus Frankreich, Juha Rajamäki aus Finnland und Sarah Stutte aus der Schweiz. Die älteste unabhängige Jury am Filmfestival vergibt zum 53. Mal einen mit 10‘000 Franken dotierten Filmpreis. Er geht an Filmschaffende, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und Respekt einsetzen.
Die Jury zeichnet einen Film aus dem „Internationalen Wettbewerb“ aus, dem Hauptwettbewerb also, dessen Siegerfilm mit dem Goldenen Leoparden gekürt wird. Dabei stehen Werke im Fokus, die die Zuschauenden mit ihrem künstlerischen Talent für religiöse und soziale Werte zu sensibilisieren vermögen und in deren Umsetzung eine spirituelle Dimension spürbar ist. Der Preis ist mit 10‘000 Franken dotiert. Das Preisgeld wird von den reformierten Kirchen (EKS) und der katholischen Kirche (RKZ) der Schweiz zur Verfügung gestellt. An der Preisverleihung vom 15. August 2026 im „Spazio Cinema“ in Locarno überreicht die Ökumenische Jury ihren Preis persönlich an die Filmschaffenden.
Präsidium der Jury übernimmt die Theologin Viera Pirker
Viera Pirker ist Professorin für Religionspädagogik und Mediendidaktik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und leitet dort den Masterstudiengang „Religion - Medien - Interkulturalität“. Sie studierte katholische Theologie und Jüdisches Philosophie in Tübingen und Jerusalem und ist Mitglied der Internationalen Forschungsgruppe Film und Theologie. Ihre Forschung befasst sich mit Religion auf bildbasierten Social-Media-Plattformen.
International zusammengesetzte Jury
Die Ökumenische Jury 2026 ist international besetzt und vereint Perspektiven aus Deutschland, Frankreich, Finnland und der Schweiz. Neben der Präsidentin gehören ihr drei Beisitzende an: Jean-Luc Gadreau (FR), Baptistenpastor, Moderator, Filmkritiker und Präsident von Interfilm Frankreich; Juha Rajamäki (FIN), Theologe und Priester mit langer Laufbahn in der kirchlichen Kommunikation, unter anderem als TV-Regisseur und Journalist sowie Sarah Stutte (CH), Filmjournalistin und Mitherausgeberin des „Cinema Jahrbuchs“. Damit bringt die Jury journalistische, theologische und filmkritische Kompetenz zusammen.
Neue Delegierte für die Ökumenische Jury in Locarno
Nach über 30 Jahren Engagement hat Charles Martig seine Tätigkeit für die Ökumenische Jury im vergangenen Jahr beendet. Die Nachfolge übernehmen neu Baldassare Scolari und Silvan Maximilian Hohl. „Wir freuen uns auf grosses Kino, viele berührende Momente und eine Jury, welche um die besten Filme ringt“, meinen die frischgebackenen Delegierten.
Baldassare Scolari, neuer Delegierter von Interfilm, studierte Religionswissenschaft an der Universität Zürich und promovierte 2018 an der LMU München. Er lehrt Theorien und Methoden der Medienforschung an der Berner Fachhochschule (BFH) sowie Religionswissenschaft an der Universität Basel. Silvan Maximilian Hohl, neuer Delegierter von SIGNIS, studierte Digital Filmmaking an der SAE Zürich und der Middlesex University London. Er produzierte zwei Kinodokumentarfilme. Seit Mitte 2023 ist er Senior Account Manager bei der Kommunikationsagentur Brand Affairs.
Über die Ökumenische Jury
Erstmals gab es im Jahr 1973 eine Ökumenische Jury an einem internationalen Filmfestival. Locarno ist also das erste Festival, das die christlichen Filmorganisationen in einer Jury zusammenführte. Seither werden die Preise von SIGNIS und INTERFILM gemeinsam vergeben. 2023 feierte die Jury ihr 50-Jahr-Jubiläum am Locarno Film Festival und verlieh einen Ehrenpreis an den international renommierten Regisseur István Szabó. Neu ist die Ökumenische Jury in Locarno mit einer eigenen Webseite präsent: www.ecumenical-jury-locarno.ch. Das Locarno Film Festival findet vom 5.-15. August 2026 in der Schweiz statt. Die Ökumenische Jury ist vom Festival eingeladen, arbeitet jedoch unabhängig und wählt nach eigenen Kriterien. Sie begutachtet die Filme im „Internationalen Wettbewerb“ des Programms.